Die Gedanken zum Werk

philosophisch

Das Beste steht nicht immer in den Büchern, sondern in der Natur;
nur haben die Menschen oft nicht die Augen, es zu sehen.
(Adalbert Stifter)

*

Zeit. Das ist ein heikles Unterfangen, jemanden in die eigene Persönlichkeit blicken zu lassen und die Seele frei zu legen. Dennoch ist genau dies der Weg zu herausragenden künstlerischen Portraits.
Dieser Vorgang braucht Zeit.
Zeit ist der Schlüssel, um die eigene Person zu finden und zu transportieren.
Zeit ist der Faktor, der das nötige Selbst-Bewusstsein frei legt, welches bestimmt, was die Bilder widerspiegeln.
Denn nur, wenn Sie das ureigenste Sein zeigen, tragen sie die Zeichen in sich, die die Persönlichkeit des Abgebildeten repräsentieren.

Es gibt viele Wege, die Zeit zu nutzen, um den Weg auszuloten.
Manchmal ist es Warten und Stille, manchmal Sprechen, manches Mal Zuhören, manches Mal Ablenkung.

Als Regisseur und Darsteller habe ich verschiedene Optionen, die ich gemeinsam mit dem Menschen vor meiner Kamera ausprobieren kann. Meine berufspädagogische Erfahrung hilft da natürlich ebenfalls.
So kann der ganze Prozess ein rein unterhaltsamer werden oder ein heilsamer.

Erfahrung! Die Qualität von Bildern zeigt sich vor allem auch in dem gesuchten und dann gezeigten Bildmotiv, als Auschnitt, als Moment.
So ist nicht nur die Art der Wiedergabe eines Menschen qualitätsbestimmend, manchmal, auf das Bildergebnis bezogen, auch das Finden des Menschen.

betrachtend

“Auf daß man tausend Jahr, nachdem wir starben, sehe, wie schön Ihr wart…”
(Michelangelo)

*

Ein Bild ist ein festgehaltener Nu.
Und dennoch kann in ihm eine Geschichte sein, eine Emotion, die Ansammlung von Erinnerungen.

Leider führt die digitale Fotografie mehr und mehr dazu, dass Myriaden unsinniger Bilder überall in unserem Leben auf der Welt zu sehen sind.
Die Zahl nähert sich der unserer eigentlichen Augen-Blicke, so dass wir uns eine sekundäre Welt erschaffen, die durch ihre Annährung in Zeit und Abbildung immer weniger Inhalt haben kann, weil einfach keine Zeit war, den Augenblick zu suchen.
Eine sinnentleerte Zweitwelt, die die das eigentliche Leben verdrängt?

Ich möchte das nicht. Ich lege wert darauf, dass ein Bild ein besonderer Moment ist, der festzuhalten es wert ist.
Und darum versuche ich mich dem Trend entgegenzuwerfen und nach Möglichkeit unverwechselbare, unwiederholbare Einzelwerke zu schaffen, die nur ein einziges Mal auf dieser Welt und in unserem Leben exisitieren.
Technisch bedeutet das die Suche nach der Einmaligkeit des Bildes.
Zurück zu alten Aufnahmetechniken, die Zeit brauchen, wie Plattenfotografien, Polaroids, Filmaufnahmen… Oder die Suche nach Möglichkeiten, digitale Bilder einzigartig zu machen; vielleicht durch Zerstörung der Datei nach der Bildentwicklung und der Abzugerstellung, oder durch Versiegelung der Festplatte und menschenferne Sicherung.

Suchen